Über mich

Über mich…

Heute lächle ich innerlich. Ich bin stolz auf mich.

Es war ein schwerer Weg für mich hierher. Ich habe viel gelitten. Mich zu vielem gezwungen.

Mich jahrelang verstellt und angepasst.

Heute weiß ich, dass ich goldrichtig bin – so wie ich eben bin.

Auf diesem Weg war ich oft gefährdet aufzugeben. Ich bin nicht depressiv. Sicherlich nicht. Im Gegenteil, ich bin ein lebensfroher, optimistischer Mensch.

Aber dennoch falle ich immer wieder in „depressive Episoden“. In die ich mich mittlerweile bewusst fallen lasse – um Kraft zu schöpfen!

Sinnbildlich erkläre ich es immer mit einem Brunnen, dessen Rand sehr, sehr rutschig ist … Man muss gut aufpassen! Wenn man ausrutscht fällt man in diesen Brunnen!

Dann liege ich da in dem Matsch und quäle mich, versuche Halt zu finden – um nicht zu fallen!!! Aber selbst wenn ich die Kraft habe nicht da hinein zu geraten … – soviel Kraft um aus diesem „rutschigen Brunnenrand“ weg zu kommen habe ich nicht mehr…

Jahrelang ging das so … Heute kämpfe ich nicht mehr. Ich spare mir die Kraft des „Nichtfallens“ für den Aufstieg. Ich klammere mich nicht mehr verzweifelt an alles was mich vor dem Sturz bewahrt… Nein. Heute lasse ich bewusst los! Rutsche sogar hinunter…

Am Boden des Brunnens bleibe ich auch gerne noch einen oder zwei Tage länger sitzen als nötig… Früher hatte ich es furchtbar eilig da weg zu kommen … Heute sitze ich da und tanke BEWUSST Kraft. Und siehe da – für einen Aufstieg der früher real mehrere Woche dauerte, brauche ich heute nur noch wenige Tage. Und es strengt mich auch nicht mehr derart an.

Ich steige aus dem Brunnen und bin kräftemässig derart gut unterwegs, dass ich ohne Mühe den rutschigen Rand überwinde.

Wie ich das geschafft habe?! Ich habe mich VOLL UNG GANZ als Autistin akzeptiert.

Ich bin ganz normal. Ganz normal autistisch 😀 . Und das ist gut so. Anders war ich nämlich gar nicht geplant.

Endlich hab ich das Gefühl, ich wäre „angekommen“.

Zuhause.

Auf diesen Weg wurde ich durch die Diagnose meines Sohnes geschickt. Seine Auffälligkeiten und seine Diagnose haben mir die Augen geöffnet.

Anfangs empfand ich mich noch als sowas wie eine „Weltenwandlerin“ – ich wusste nicht um die Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Spektrum. Selbst Fachleuten fällt es noch schwer zu unterscheiden.

41 Jahre alt war ich bei meiner Diagnose.

Meine Ehe ist zerbrochen – jedoch sicherlich nicht an meinem Autismus. Ich war noch nie wirklich anders. Mich gibt es nur autistisch. Und das ist auch gut so.

Vor zwei Jahren hätte ich sicherlich den Fehler noch an mir gesucht. Aber in unserer Beziehung habe ich mich nie verstellt. Nie eine Maske getragen. Und das werden mir andere autistische Frauen sicherlich bestätigen können. Das tun wir nicht. Unser Verlangen nach Sicherheit und Geborgenheit lässt sowas nicht zu.

Heute gebe ich mir Mühe, mich selbst mehr zu schonen. Mich zurückzunehmen von all den Dingen, die mir im Alltag schwerfallen.

Und da gibt es viele Dinge… (Die sind aber mit Sicherheit einen extra Blog wert …)

Auch viele „Macken“ … Macken, die aber keinem „wehtun“ – sowas wie Bücher nach Größe sortiert, oder gleichfarbige Wäscheklammern am Wäscheständer. In Reih und Glied liegendes Besteck im Besteckkasten, Taschentücherpäckchen die alle gleich in der Schublade liegen ect. …

Lange Zeit habe ich versucht, Chaos akzeptieren zu können. Das kann ich aber nicht. Mein Kopf denkt dann immer an das wirre Besteck. Oder an die ungleichen Bücher im Regal.

Letztendlich verlangt es von mir sehr viel mehr Kraft und Zeit das aushalten zu können, als es eben einfach schnell in Ordnung zu bringen.

Autismus hat auch viele Qualitäten. Das vergessen sehr viele. Auch das möchte ich gesondert bloggen.

Ich bin Mutter von 3 Kindern. 2 davon sind wie ich autistisch.

In einer Welt mit euch gemeinsam zu leben, ist manchmal sehr schwer für uns, ja.

Ich werde dafür kämpfen aufzuklären.

Das ist meine Lebensaufgabe. Ich bin angekommen.