Leitfaden OP

Auch meine Leitfäden sollen hier ein Zuhause finden 🙂
In der Hoffnung, dass es bei euch besser läuft …
Einfach ausdrucken und rechtzeitig (!!!) aushändigen.

Für Pflegepersonal/ Ärzte zur Vorbereitung einer OP.
Wie Sie meinem autistischen Kind wirklich helfen:

Mein Kind befindet sich sehr wahrscheinlich schon in einem „gereizten“ Zustand.
Man nennt dies Overload und es nimmt in diesem Zustand alle Sinneseindrücke und Wahrnehmungen in einer extrem überdimensionierten Weise wahr.
Sollte es zu viel werden, wird mein Kind völlig „ausflippen“. Das wäre dann der Meltdown und in diesem Zustand ist mein Kind nicht mehr in der Lage sein Verhalten zu steuern.

Um mein Kind vor einem Trauma zu bewahren und um Ihnen Ihre Arbeit zu erleichtern, wurde dieser Leitfaden von einer erwachsenen Autistin und Mutter zweier autistischen Kindern entworfen.

• Bitte fassen Sie mein Kind nicht unnötig an. Ein gut gemeintes tätscheln an der Wange oder streicheln am Arm etc. ist für mein Kind kaum aushaltbar.
• „Smalltalk“ ist für mein Kind schwer zu ertragen in diesem Zustand. Es wird damit auch nichts anfangen können.
Was für normale Kinder beruhigend wirkt, ist für mein Kind beängstigend und treibt es in den Meltdown.
• Wartezeit ist Zeit „um sich rein zu steigern“. Lange OP- Vorbereitungen sind unbedingt zu vermeiden.
• Bitte achten Sie darauf, dass mein Kind möglichst immer einen ruhigen Ort hat. (Aufwachraum, Tagesstation etc.) Tagesstationär am bestem ein Einzelzimmer falls verfügbar.
• Sollte trotz aller Ihrer Bemühungen, mein Kind in einen Meltdown geraten und „ausrasten“, handeln Sie bitte wie bei einem medizinischen Notfall. Verkürzen Sie die Situation! Ein Handzeichen bzw. ein Blickkontakt oder Codewort das zuvor mit mir ausgemacht wurde, wird Ihnen das Startsignal dazu geben.
• All das soll Sie nicht ängstigen, natürlich dürfen Sie gerne versuchen mit meinem Kind in Kontakt zu treten. Sollte dies aber nicht gelingen, nehmen Sie es bitte nicht persönlich.
• Bei Fragen oder Unsicherheiten scheuen Sie sich bitte nicht davor, mich anzusprechen. Wir Eltern von autistischen Kindern wissen um die Unsicherheiten die Menschen im Umgang mit unseren Kindern haben. Wir wissen auch, dass nicht jeder „Fachmann“ sein kann.
Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Aufmerksamkeit und Mitarbeit!

©by autgirl.wordpress.com

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Hausaufgaben – *uffz*

Seit mein Sohn eingeschult wurde, haben wir immer wieder dieses Thema …

Der heilige Gral der Lehrer. Hausaufgaben.
„Übung“. Ich kann es nicht mehr hören.

Mein Sohn ist Autist.
Das ganze Leben ist sortiert. Schule ist Schule und Zuhause ist Zuhause.
Denkste!!!

Dieses „unsortierte“ bringt enorm viel Unsicherheit mit sich. Unsicherheit in einer Welt, die ohnehin schon viel zu unsicher ist.

Schule ist DER Ort der Anpassung

Anpassung kostet Kraft! Viel Kraft.
Und Anpassung erfordert viel Erholungsszeit. Mehr als es sich NT`s vorstellen können. Erholungszeit, die die Kinder aber NICHT HABEN. Es geht ja am nächsten Tag wieder weiter…

Nach einem anstrengenden Schultag kommt er nachhause. AUSGELAUGT.
Oft im Overload. Er WILL ein guter Schüler sein. Nein, noch mehr:

Er ist Perfektionist!

Er ist eigentlich niemals mit sich zufrieden.
Er WILL auch seine Hausaufgaben machen (haben). Und es fällt ihm enorm schwer, wenn er sie nicht gemacht hat. So wie alle anderen Kinder eben auch…
Er war wieder zu schwach – DAS geht in seinem Kopf vor … Er wird den Ansprüchen nicht genüge … Er ist nicht „richtig“. Nicht gut genug. Kaputt.

Das sind die Gedanken die in seinem Kopf kreisen. WEIL er täglich an diese Hürden stösst. Weil ihm täglich gezeigt wird, dass er eben nicht so ist wie andere. WO bleibt da die Inklusion?!

Täglich ist da die dauernde Überflutung sämtlicher Reize. Alle Sinne sind überreizt. Die dringend benötigte längere Erholunszeit, die wir Autisten aber nie bekommen. Dazu gesellt sich eine Unfähigkeit zu entspannen und häufig auch Schlafstörungen.

Schöner Scheiss, gell?!

Am Morgen habe ich mein ausgeruhtes, mediziniertes Kind in die Schule geschickt. Seine „Löffel“ waren noch voll. Und am Mittag kommt es im Overload nachhause, die Medis wirken nicht mehr richtig, alle Löffel sind weg und SO soll ich dann mit ihm Hausaufgaben machen!!!
Seine Hand schmerzt bereits schon lange vom schreiben, aber eine Einsicht das er Hilfe in Form iPad/ Laptop oder was auch immer bekommt, gibt es nicht. TROTZ des Wissens, dass es bei Autisten vermehrt zu motorischen Schwierigkeiten kommt und deshalb schreiben unglaublich anstrengend ist. Zumal schreiben dann eben nicht automatisiert funktioniert wie bei normalen Kinder. Nein – es „zapft“ immer Gehirnleistung ab von dem, was eigentlich gelernt werden sollte.

Häufig kommen nachmittags noch Therapien dazu. Und Planänderungen… Die vielen Termine mit Therapeuten, Schule & Co. sind nicht nur für die Eltern anstrengend. Nein, auch an den Kindern geht das nicht spurlos vorbei. Da wird das Mittagessen verlegt zu Oma & Opa, die Hausaufgabenzeit wird verschoben, Termine fallen deshalb aus ect. ect. …

Ja, da sitzt er dann nun wieder und quält sich. An guten Tagen.
An schlechten Tagen kommen wir gar nicht erst dazu. Da flippt er dann davor schon aus. MELTDOWN. Lernen ist in so einem Zustand definitiv NICHT möglich. Oder ich merke, dass er kurz davor ist. Dann riskiere ich den Meltdown mit den Hausaufgaben.
Den Meltdown mekt man ihm aber am nächsten Tag noch an. Und an dem danach und am darauffolgenden auch noch … „Schlechte Tagesform“ nennen NT`s das dann. ABER HEY – NEIN, das kommt nicht einfach so! So eine schlechte Tagesform! Es war zuviel und die Erholungszeit fehlte!

Das alles hat auch einen Namen: „The delayed after Effekt“ nennt man das im Fachjargon. Das ist im Prinzip das nachhausetragen der Reizüberflutung. In der Schule reissen sich die Kinder zusammen – aber kaum Zuhause – in Sicherheit, bricht es dann aus. GNADENLOS.
Und die Lehrer können gar nicht nachvollziehen von was Eltern da sprechen. Das Kind ist in der Schule doch ganz anders… *augenroll* Vorraussetzung eines solchen „delayed after Effekts“ ist aber immer eindeutig die vorausgegangene Überforderung. Und damit meine ich definitiv nicht den Lernstoff!!!

Es gibt autistische Kinder, die man mit einem Nachteilsausgleich von den Hausaufgaben befreien sollte. Verschiedene Strategien sollten zuvor ausprobiert werden. Aber wenn alle erfolglos geblieben sind, fragt es sich was dieses sture festhalten an den Hausaufgaben eigentlich bringen soll.

Hier möchte ich auch gerne Tony Attwood zitieren:

Wenn Hausaufgaben mit solchen Qualen verbunden ist, was kann man tun, um die Verzweiflung zu reduzieren?
A) die des Kindes, daß durch den Schultag erschöpft ist,
B) Die der Eltern, die versuchen ihr Kind zu motivieren, und
C) Die des Lehrers, der feststellt, daß Hausaufgaben nicht gerade die effektivste Maßnahme sind ein solches Kind zu erziehen.
Wenn die reguläre Menge an Hausaufgaben verlangt wird, dann sollten sich alle darüber im Klaren sein, daß ein hoher Grad an Zeit und Einsatz von allen Beteiligten nötig ist um sicherzustellen, daß die Arbeit zufriedenstellend und pünktlich erledigt wird. Eine Option wäre es, dem Kind zu ermöglichen, seine ‚Hausaufgaben‘ in der Schule zu erledigen. Dies kann während der Essenszeit geschehen, oder vor oder nach Stunden im Klassenraum oder in der Schulbibliothek. Wie auch immer, sie brauchen immernoch Beaufsichtigung und Anleitung eines Lehrers oder Assistenten. In den höheren Klassen haben einige Kinder ihren abschluß geschafft, weil es ihnen gestattet war, weniger Fächer zu belegen und extra Zeiten in der Schule verbringen zu können, um ihre Hausaufgaben erledigen zu können.

Wenn alle diese Strategien erfolglos bleiben, was bleibt als Alternative? ‚Sollten Kinder mit einer autistischen Behinderung von
Hausaufgaben befreit werden?
‚ Wenn die Strategien, die in diesem Artikel aufgezeigt wurden erfolglos sind, oder es nicht möglich ist, sie anzuwenden, dann ist meine Antwort ‚Ja‘. Manchmal führt dieser Rat zu einer großen Erleichterung des Kindes, der Eltern, und wahrscheinlich seiner Lehrer. Dafür können Sie mich auch zitieren.“
(http://www.aspiana.de/neben/aufgaben.htm)

EINEN Grund gibt es für mich, nicht um diesen Nachteilsausgleich zu kämpfen (der ihm definitv zusteht) – nämlich der, dass ich so wenigstens noch einbisschen darauf schauen kann wo mein Sohn schulisch steht. Ich ihm mit meinen eigenen (autistischen) Worten alles nochmal erklären kann. An guten Tagen. Und das bringt ihm ziemlich viel.

Ich weiss, dass es mitunter nicht einfach ist das nachzuvollziehen. Weil ein NT eben nur schwer nachfühlen kann, wie anstrengend ein autistisches Leben ist.
Dennoch wünsche ich mir diesbezüglich mehr Verständins und Unterstützung.

Wenn dann endlich alles erledigt ist, sollte er ja noch fähig sein, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen…

Zumindest finden das die NT’s.

Ich frag euch jetzt mal: Mit welchen Löffeln soll er denn das tun?! Da müsst Ihr ihm schon welche über lassen! Er wünscht sich Freunde. Aber dafür bleibt oft keine Kraft.

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